Wie hoch sind die Treibhausgasemissionen eines Transports tatsächlich? Eine Antwort darauf ist nur dann aussagekräftig, wenn Unternehmen ihre Emissionen nach vergleichbaren Regeln berechnen. Genau hier setzt das GLEC Framework an. Die Branchenmethodik schafft eine gemeinsame Grundlage, um Emissionen über Unternehmen, Verkehrsträger und multimodale Lieferketten hinweg konsistenter und transparenter zu erfassen.
Dieser Artikel erläutert, was das GLEC Framework ist, wie die Berechnung funktioniert und welche Rolle ISO 14083 und verlässliche Transportdaten dabei spielen.
Was ist das GLEC Framework?
Das GLEC Framework ist eine Branchenmethodik zur Berechnung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen in Transport und Logistik. GLEC steht für Global Logistics Emissions Council. Entwickelt wurde das Framework vom Global Logistics Emissions Council des Smart Freight Centre.
Ziel ist es, Emissionswerte entlang logistischer Prozesse nach einer gemeinsamen Methodik zu ermitteln. Anwenden können das Framework unter anderem Verlader, Frachtführer und Logistikdienstleister. Dabei werden sämtliche Verkehrsträger sowie Logistikstandorte berücksichtigt. Auch die Ergebnisse einzelner Abschnitte einer Transportkette lassen sich zusammenführen.
Ausgewiesen werden die relevanten Treibhausgasemissionen als CO₂-Äquivalente (CO₂e). Das GLEC Framework betrachtet damit nicht lediglich die direkten CO₂-Emissionen eines Fahrzeugs.
Welche Bereiche deckt das GLEC Framework ab?
Ein Transportauftrag besteht nicht immer aus einer einzigen Fahrt von A nach B. Eine Sendung kann beispielsweise zunächst per Lkw zu einem Hub gebracht, dort umgeschlagen und anschließend per Bahn oder Schiff weitertransportiert werden.
Das GLEC Framework ermöglicht es, solche Transportketten in geeignete Abschnitte und gegebenenfalls Logistikstandorte zu gliedern. Dadurch können auch komplexe Lieferketten mit mehreren Beteiligten, Transportmitteln und Verkehrsträgern abgebildet werden.
Berücksichtigt werden können beispielsweise:
- Straßengüterverkehr
- Schienengüterverkehr
- Luftfracht
- Seefracht
- Binnenschifffahrt
- Logistikstandorte und Umschlagpunkte
Damit eignet sich die Methodik auch für einen multimodalen Transport, bei dem innerhalb einer Transportkette mindestens zwei unterschiedliche Verkehrsträger zum Einsatz kommen.
Wie funktioniert die Berechnung nach dem GLEC Framework?
Für die Emissionsberechnung wird eine Transportkette in einzelne Abschnitte gegliedert. Anschließend erfolgt die Berechnung grundsätzlich in mehreren Schritten:
- Transportkette gliedern: Die Transportkette wird in geeignete Abschnitte und gegebenenfalls Logistikstandorte unterteilt.
- Aktivitätsdaten erfassen: Dazu gehören beispielsweise Kraftstoff- oder Energieverbrauch, Entfernung, Frachtmasse und Auslastung.
- Emissionsfaktoren anwenden: Die Aktivitätsdaten werden mit passenden Emissionsfaktoren verbunden.
- Emissionen zuordnen: Die berechneten Emissionen werden nach festgelegten Regeln einer Transportleistung oder Sendung zugeordnet.
- CO₂e ausweisen: Die relevanten Treibhausgase werden als CO₂-Äquivalente zusammengefasst.
Bei der Betrachtung einer Tour können neben beladenen Strecken auch Leerfahrten eine Rolle spielen.
Primärdaten oder Sekundärdaten: Welche Daten werden benötigt?
Die Qualität der Emissionsberechnung hängt wesentlich von der verfügbaren Datengrundlage ab. Grundsätzlich sind Primärdaten aussagekräftiger, weil sie sich auf den konkreten Transport beziehungsweise die tatsächlich eingesetzten Ressourcen beziehen. Dazu zählen beispielsweise der gemessene Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs oder die tatsächlich zurückgelegte Strecke.
Solche Informationen können aus Fahrzeugdaten oder Telematik-Systemen stammen, die unter anderem Daten zur Fahrzeugnutzung, Position oder zum Kraftstoffverbrauch bereitstellen können. Sind keine geeigneten Primärdaten verfügbar, können stattdessen Sekundärdaten und begründete Annahmen zum Einsatz kommen.
Wichtig ist deshalb nicht nur das berechnete Ergebnis selbst. Auch Datenquellen, Systemgrenzen und verwendete Allokationsregeln sollten transparent dokumentiert werden. Nur so lässt sich nachvollziehen, wie ein Emissionswert zustande gekommen ist.
Was bedeutet Allokation beim GLEC Framework?
Nicht jeder Transport lässt sich vollständig einer einzigen Sendung zuordnen. Werden beispielsweise mehrere Transportaufträge innerhalb einer Tour gebündelt, müssen die entstandenen Emissionen auf die jeweiligen Transportleistungen verteilt werden.
Diesen Vorgang bezeichnet man als Allokation. Das GLEC Framework legt Regeln dafür fest, wie Emissionen einer Transportleistung oder Sendung zugeordnet werden. Faktoren wie Frachtmasse und zurückgelegte Strecke können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Gerade bei gebündelten Transporten oder komplexen Transportketten ist die verwendete Allokationsmethode relevant. Zwei Emissionswerte lassen sich nur belastbar miteinander vergleichen, wenn Datengrundlage, Systemgrenzen und Berechnungsmethodik hinreichend übereinstimmen.
GLEC Framework und ISO 14083
Das GLEC Framework steht in engem Zusammenhang mit der internationalen Norm ISO 14083. Das Smart Freight Centre bezeichnet das Framework als zentrale Branchenleitlinie für die praktische Umsetzung der Norm. Grundsätze früherer Versionen des GLEC Frameworks flossen zudem in die Entwicklung der ISO 14083 ein.
Aktuelle Versionen des Frameworks werden an methodische Entwicklungen angepasst. Deshalb sollte bei der Dokumentation von Emissionswerten auch erkennbar sein, welche Version des GLEC Frameworks verwendet wurde. Aktualisierungen können beispielsweise Berechnungsregeln oder zugrunde liegende Faktoren verändern.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung: Die Anwendung des GLEC Frameworks ist für sich genommen weder eine Produktzertifizierung noch ein pauschaler Nachweis dafür, dass sämtliche rechtlichen Anforderungen erfüllt werden.
Wofür können Unternehmen das GLEC Framework nutzen?
Einheitlich ermittelte Emissionswerte können Unternehmen in verschiedenen Bereichen einsetzen:
- Berichterstattung: Emissionsdaten strukturiert erfassen und dokumentieren
- Kundeninformationen: Nachvollziehbare Angaben zu den Emissionen von Transportleistungen bereitstellen
- Beschaffung: Emissionsdaten als zusätzliche Entscheidungsgrundlage berücksichtigen
- Emissionsschwerpunkte: Besonders emissionsintensive Bereiche innerhalb der Transportkette identifizieren
- Transportplanung: Den Einfluss von Streckenführung, Auslastung oder Verkehrsträger auf die Emissionsbilanz analysieren
Ein direkter Vergleich zweier Transporte ist allerdings nur belastbar, wenn die zugrunde liegenden Daten, Systemgrenzen und Berechnungsmethoden hinreichend übereinstimmen.
Was bedeutet das für Entscheider?
Für Speditionen, Frachtführer und Verlader wird es zunehmend wichtiger, nicht nur Emissionswerte auszuweisen, sondern auch deren Entstehung nachvollziehbar zu dokumentieren. Ein einzelner CO₂e-Wert sagt wenig darüber aus, wie präzise die Berechnung tatsächlich ist.
Entscheidend sind deshalb die zugrunde liegenden Transport- und Verbrauchsdaten. Gut gepflegte Fahrzeugdaten, reale Verbrauchswerte sowie Informationen zu Entfernung, Frachtmasse und Auslastung erhöhen die Aussagekraft der Ergebnisse. Daten, die ohnehin im Rahmen der Disposition und Transportabwicklung benötigt werden, können damit auch für die Ermittlung logistischer Emissionen relevant sein.
Eine strukturierte Datengrundlage ermöglicht es außerdem, Emissionsschwerpunkte zu identifizieren und Entwicklungen über einen längeren Zeitraum nachzuvollziehen. Das GLEC Framework liefert hierfür die gemeinsame methodische Grundlage.
Wie CarLo® dabei unterstützt
Das Transport Management System CarLo® enthält eine native CO₂e-Berechnung auf Basis des GLEC Frameworks nach ISO 14083. Für eine konsistente Ermittlung und Dokumentation logistischer Emissionen können damit Daten aus der digitalen Transportabwicklung herangezogen werden.
Tourabschnitte, Verbrauch, Emissionsfaktoren und Transportleistung werden berücksichtigt, um spezifische Werte zu berechnen. Eine Tour kann dabei in unterschiedliche Abschnitte gegliedert werden. So können beispielsweise auch beladene und unbeladene Strecken in die Berechnung einfließen.
Gut gepflegte Fahrzeug- und Verbrauchsdaten schaffen dabei die Grundlage für aussagekräftige Ergebnisse und unterstützen Unternehmen dabei, ihre Emissionsdaten nachvollziehbar zu dokumentieren.
Mehr dazu in unserem Logistik-Ratgeber zur CO₂-Berechnung in der Logistik.
Fazit
Das GLEC Framework schafft eine einheitliche Grundlage, um Treibhausgasemissionen in Transport und Logistik als CO₂-Äquivalente zu berechnen und nachvollziehbar zu dokumentieren. Entscheidend für aussagekräftige Ergebnisse sind dabei eine verlässliche Datengrundlage sowie transparente Berechnungs- und Allokationsregeln.