Lexikon

ISO 14083: Treibhausgasemissionen im Transport einheitlich berechnen

Wie lassen sich die Emissionen eines Lkw-Transports mit denen einer Bahn- oder Seefracht vergleichen? Dafür braucht es eine einheitliche Berechnungsmethode. Die ISO 14083 schafft eine solche Grundlage für Personen- und Gütertransporte über unterschiedliche Verkehrsträger hinweg. Dieser Artikel erläutert, was die ISO 14083 regelt, welche Daten für die Berechnung benötigt werden und wie sie mit dem GLEC Framework zusammenhängt. 

Was ist ISO 14083?

Die ISO 14083:2023 ist ein internationaler Standard für die Quantifizierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen aus dem Betrieb von Personen- und Gütertransportketten. Die erste Ausgabe der Norm wurde im März 2023 veröffentlicht. 

Ziel ist eine gemeinsame, verkehrsträgerübergreifende Methodik, mit der Emissionen einzelner Transportabschnitte und vollständiger Transportketten strukturiert ermittelt und dokumentiert werden können. Dabei werden relevante Treibhausgase als CO₂-Äquivalente (CO₂e) ausgewiesen. 

Die Norm betrachtet nicht nur die direkten Emissionen eines Fahrzeugs. Auch die vorgelagerte Bereitstellung der benötigten Energie wird in die Berechnung einbezogen. 

Welche Bereiche deckt ISO 14083 ab?

ISO 14083 ist verkehrsträgerübergreifend angelegt. Dadurch können sowohl einzelne Transporte als auch komplexe Transportketten mit verschiedenen Verkehrsträgern betrachtet werden. 

Typische Bereiche sind unter anderem: Straßenverkehr (Transporte mit Lkw oder Transporter), Schienenverkehr (Gütertransporte per Bahn), Luftverkehr (Luftfracht), Seeverkehr (Transporte per Frachtschiff), Binnenschiffsverkehr (Transporte auf Binnenwasserstraßen) sowie Logistikknoten (Terminals und Umschlagpunkte). 

Damit berücksichtigt die Norm nicht nur die eigentliche Beförderung. Auch relevante Knoten und Tätigkeiten im Bereich Umschlag innerhalb einer Transportkette können in die Betrachtung einfließen. 

Wie funktioniert die Berechnung nach ISO 14083?

Für eine nachvollziehbare Emissionsberechnung legt ISO 14083 methodische Anforderungen fest. Dazu gehören die Definition der Systemgrenzen, die Abgrenzung einzelner Transportkettenelemente sowie Regeln für Daten, Emissionsfaktoren, Zuordnung und Berichterstattung. 

Vereinfacht lässt sich das Vorgehen in vier Schritte unterteilen: 

  1. Transportkette abgrenzen: Zunächst wird festgelegt, welche Transportabschnitte und Logistikstandorte in die Berechnung einfließen. 
  2. Aktivitätsdaten erfassen: Dazu gehören unter anderem Energie- oder Kraftstoffverbrauch, Entfernung, Frachtmasse und Auslastung. 
  3. Emissionen berechnen und zuordnen: Die Aktivitätsdaten werden mit geeigneten Emissionsfaktoren verbunden und die entstehenden Emissionen der jeweiligen Transportleistung zugeordnet. 
  4. Ergebnisse dokumentieren: Berechnungsansatz, Datenquellen, Annahmen und Datenqualität werden so dokumentiert, dass die Ergebnisse nachvollziehbar und reproduzierbar sind. 

Gerade bei mehrstufigen Transportketten können dabei unterschiedliche Abschnitte betrachtet werden. Im kombinierten Verkehr kann eine Transportkette beispielsweise aus Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf bestehen. 

Welche Daten werden für ISO 14083 benötigt?

Die Aussagekraft der Berechnung hängt wesentlich von der Qualität der verwendeten Daten ab. Möglichst spezifische Primärdaten sind grundsätzlich vorzuziehen. Dazu können beispielsweise tatsächliche Verbrauchs-, Gewichts- oder Entfernungsdaten eines Transports gehören. 

Sind keine geeigneten Primärdaten verfügbar, können Sekundärdaten eingesetzt werden. Wichtig ist dabei, deren Auswahl, zugrunde liegende Annahmen und Datenqualität nachvollziehbar zu dokumentieren. Primärdaten stammen aus dem konkreten Transport (z. B. tatsächlicher Verbrauch oder reale Entfernung) und sind daher meist aussagekräftiger; Sekundärdaten sind Ersatz-, Durchschnitts- oder Standarddaten, deren Aussagekraft von Auswahl und Datenqualität abhängt. 

Je genauer die Daten den tatsächlichen Transport abbilden, desto aussagekräftiger kann das Ergebnis sein. 

Welche Faktoren beeinflussen die Emissionswerte?

Auch bei Anwendung einer einheitlichen Methodik sind Emissionswerte nicht automatisch identisch oder uneingeschränkt vergleichbar. Unterschiede in der Datengrundlage und im konkreten Transport können das Ergebnis weiterhin beeinflussen. 

Dazu gehören insbesondere: 

  • verwendete Datenquellen und deren Qualität 
  • Auslastung des Fahrzeugs 
  • Leerfahrten 
  • Kraftstoff- beziehungsweise Energieverbrauch 
  • vorgelagerte Energiebereitstellung 
  • verwendete Emissionsfaktoren 
  • Regeln zur Allokation der Emissionen 

Eine Leerfahrt verursacht beispielsweise Emissionen, obwohl auf dieser Strecke keine Fracht transportiert wird. Dadurch kann sie die Emissionen pro transportierter Einheit beeinflussen. 

Deshalb sollten Unternehmen neben dem eigentlichen CO₂e-Wert auch die zugrunde liegenden Systemgrenzen, Annahmen und die Datenqualität berücksichtigen und dokumentieren. 

Was bedeutet Allokation bei ISO 14083?

Bei vielen Transporten entstehen Emissionen nicht ausschließlich für eine einzelne Sendung. Werden beispielsweise mehrere Sendungen gemeinsam in einem Transportmittel befördert, müssen die entstandenen Emissionen auf die jeweiligen Transportleistungen verteilt werden. 

Diese Zuordnung wird als Allokation bezeichnet. Sie ist besonders relevant, wenn Kapazitäten gemeinsam genutzt oder mehrere Sendungen gebündelt werden, wie es beispielsweise bei Sammelgut der Fall ist. 

Die verwendeten Allokationsregeln beeinflussen das Ergebnis. Deshalb ist es für die Vergleichbarkeit wichtig, nicht nur den errechneten Emissionswert zu betrachten, sondern auch nachvollziehen zu können, wie dieser einer Transportleistung zugeordnet wurde. 

Wie hängen ISO 14083 und GLEC Framework zusammen?

Das GLEC Framework des Smart Freight Centre war ein wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung von ISO 14083. Während ISO 14083 den internationalen Standard für die Quantifizierung und Berichterstattung der Transportemissionen vorgibt, unterstützt das GLEC Framework laut Smart Freight Centre die praktische Umsetzung dieser Anforderungen in der Logistik. 

Beide Ansätze verfolgen damit das Ziel, die Berechnung logistischer Treibhausgasemissionen konsistenter und nachvollziehbarer zu gestalten. 

Wichtig ist jedoch: Die Anwendung von ISO 14083 bedeutet für sich genommen weder eine Zertifizierung noch automatisch die Erfüllung sämtlicher gesetzlicher oder vertraglicher Anforderungen. Auch Normstände, gesetzliche Bezugnahmen und Umsetzungsfristen können sich ändern. 

Was bedeutet ISO 14083 für Unternehmen?

Für Speditionen, Verlader und andere Logistikdienstleister schafft ISO 14083 eine gemeinsame methodische Grundlage für die Ermittlung von Transportemissionen. Das kann insbesondere dann relevant sein, wenn Emissionsdaten über mehrere Transporte, Dienstleister oder Verkehrsträger hinweg zusammengeführt werden sollen. 

Für belastbare Ergebnisse kommt es jedoch nicht allein auf die Berechnungsmethode an. Unternehmen benötigen auch eine geeignete Datengrundlage. Gepflegte Fahrzeug-, Gewichts-, Strecken- und Verbrauchsdaten erhöhen die Nachvollziehbarkeit und Aussagekraft der Berechnung. 

Gerade bei komplexen Transportketten mit mehreren Verkehrsträgern ist außerdem eine klare Abgrenzung der einzelnen Abschnitte wichtig. Informationen, die ohnehin im Rahmen der Transportplanung und Transportabwicklung erfasst werden, können damit auch für die Emissionsberechnung relevant sein. 

Wie CarLo® dabei unterstützt

Das Transport Management System CarLo® bietet eine native Lösung zur Berechnung logistischer Emissionen auf Grundlage des GLEC Frameworks nach ISO 14083. 

Gepflegte Fahrzeug-, Gewichts- und Verbrauchsdaten fließen dabei in die Berechnung einzelner Transportabschnitte ein. Die ermittelten Emissionen werden auf die jeweilige Transportleistung bezogen. So lassen sich Emissionswerte in CarLo® strukturiert dokumentieren und für weitere Auswertungen nutzen. 

Eine verlässliche Datenpflege bildet dabei die Grundlage für aussagekräftige Ergebnisse – insbesondere dann, wenn unterschiedliche Tourabschnitte, Auslastungen und Verbräuche berücksichtigt werden sollen. 

Mehr dazu in unserem Logistik-Ratgeber zur CO₂-Berechnung in der Logistik.

Fazit

ISO 14083 schafft eine gemeinsame Methodik zur Berechnung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen entlang von Transportketten. Entscheidend für aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse sind neben der einheitlichen Methodik vor allem transparente Systemgrenzen, geeignete Daten und nachvollziehbare Allokationsregeln. 

Erfolge unserer Kunden

Weitere Informationen über den gesperrten Inhalt.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Smartsupp Chat. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen