Systematischer Ansatz hilft bei Auswahl der Software
Prince2 senkt Betriebs- und Projektrisiken
STI Freight Management beliefert unter anderem McDonald's-Filialen europaweit. Damit alle STI-Landesgesellschaften ihre Informationen reibungslos austauschen können, sucht der Logistikdienstleister nach einer einheitlichen Software. Das Projektteam arbeitet dabei mit der Managementmethode Prince2.
Für Cavit Kaplan beginnt sein größtes Projekt mit vielen Reisen. Der ITManager des Logistikdienstleisters will vor Ort lernen, was die Mitarbeiter in acht Landesgesellschaften von einem guten Transportmanagementsystem erwarten. Kaplan will die Zusammenarbeit zwischen den Ländern transparenter machen. Dazu soll eine Software-Lösung auf Basis einer gemeinsamen Oracle-Datenbank STI-weit installiert werden. Die STI GmbH, die deutsche Tochter der Havi Logistics, arbeitet vorrangig für Kunden der Food Service Industrie. Ein Großkunde ist McDonald's.
Einzellösungen bremsen. Zunächst arbeitet jede Tochter mit einer unabhängigen IT-Lösung für das Transportmanagement. Lediglich Spanien, Italien und Ungarn verwenden dieselbe Software, sind jedoch nicht miteinander vernetzt. "Ein verlässlicher Datenaustausch zwischen den Unternehmen des STI-Netzwerkes war kaum möglich", erinnert sich Kaplan. Vor allem ist länderübergreifend nicht transparent, wie viele Fahrzeuge bereits eingesetzt sind und wo es noch offene Ladungen gibt. Das verhindert eine effektive internationale Transportplanung. Kaplan bildet ein internationales Team und startet ohne Zeitdruck. "Die vorhandene Software lief stabil, so dass wir gründlich vorgehen konnten", sagt Kaplan.
Systematischer Ansatz. Die Gruppe arbeitet nach den Prinzipien der Projektmanagement-Methode "Prince2". Das ist die zweite Generation einer Projektmanagement-Methode, die ursprünglich für britische Behörden entwickelt wurde. Mit diesem systematischen Ansatz laufen IT-Projekte schneller, einfacher und kostengünstiger. Der Kunstbegriff Prince steht für PRojects IN Controlled Environments. Prince2 beruht auf genau definierten Strukturen und Verantwortlichkeiten. Dadurch können Betriebs- und Projektrisiken effektiver kontrolliert werden. Die Methode gewährleistet eine gemeinsame Sprache für alle am Projekt Beteiligten. Projektleiter benutzen dabei eine festgesetzte Struktur für Delegation, Autorisierung und Kommunikation und unterteilen das Projekt in kontrollierbare Phasen. Die Methode hat sich in über 50 Ländern bewährt.
Der Praxistest. Zu den ersten Aufgaben gehört das Formulieren eines Lastenheftes. "Wir wollten ein mehrsprachiges, modular aufgebautes und mandantenfähiges System auf Windows-Basis", beschreibt Kaplan. Und die Lösung muss sich problemlos in ein SAP-Umfeld integrieren. Mit einer Umfrage ermittelt das Projektteam acht entscheidende Funktionen der Software. Mitarbeiter bewerten Faktoren wie Datenerfassung, Auftragsmanagement, Paletten- und Schadensverwaltung, Disposition, Abrechnung und Kennzahlenauswertung für mehrere Software-Angebote. Das Unternehmen entscheidet sich für Carlo, die Lösung von Soloplan. "Carlo überzeugt durch die einfache Disposition und Auftragserfassung", begründet Kaplan. Trailer und Zugmaschinen können separat verwaltet und Arbeitsmasken an individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden. Das überzeugt auch Großkunden wie McDonald's, der in die Entscheidung eingebunden ist.
Zeit für Außerplanmäßiges. Seit November läuft Carlo in Deutschland bei 65 Anwendern. "Integrierte Kontroll- und Restriktionsprüfungen stellen jetzt sicher, dass kein Fahrzeug überladen wird und die gesetzlichen Vorschriften für Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden", berichtet der ITManager und ergänzt: "Auch Tourenplanung und -optimierung übernimmt Carlo. Das reduziert Leerkilometer." Durch die integrierte Telematiklösung bleiben die Disponenten permanent mit den Fahrern in Kontakt. "Die Disponenten können nun schneller auf außerplanmäßige Ereignisse reagieren", stellt Kaplan fest.
Die übrigen sieben STI Gesellschaften erhalten Carlo in den kommenden Monaten - Polen, Ungarn und England stehen ganz oben auf der Liste. Insgesamt sollen einmal rund 130 Kollegen mit der Lösung arbeiten. STI-Geschäftsführer Horst Rauscher will mit Hilfe des Programms jährlich einen sechsstelligen Betrag einsparen. DVZ 8.4.2010 (mw/uf/rok)
Quelle: DVZ Nr. 41/42, Do 08.04.2010, Seite 6





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