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Zur richtigen Zeit in der richtigen Branche

Geschäftsführer Wolfgang Heidl
Geschäftsführer Wolfgang Heidl

Wolfgang Heidl hat keine Probleme mit Entscheidungen. Er fällt sie einfach. Dass dies meist gut geht, zeigt sich an seinem IT-Unternehmen Soloplan, für das er als Speditionskaufmann in die IT-Branche wechselte.

Der frühere Chef des US-amerikanischen Autobauers Chrysler, Lee Iacocca, hat einmal gesagt: „An irgendeinem Punkt muss man den Sprung ins Ungewisse wagen. Erstens, weil selbst die richtige Entscheidung falsch ist, wenn sie zu spät erfolgt. Zweitens, weil es in den meisten Fällen so etwas wie Gewissheit gar nicht gibt.“ Wolfgang Heidl mit der amerikanischen Manager-Legende zu vergleichen, ist vielleicht etwas gewagt, doch in einem Punkt sind sie sich sehr ähnlich: wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Mitte der 1980er-Jahre hatte Heidl den Entschluss gefasst, seinen bisherigen Job bei einer Spedition aufzugeben, um Software für die Transportbranche zu entwickeln. 65 Mitarbeiter zählt sein eigenes Softwarehaus Soloplan mit Sitz in Kempten mittlerweile. „Viele Menschen tun sich schwer Position zu beziehen. Mein Mann ist eher der Typ, der sich schnell entscheidet und sagt: Wir machen das jetzt so, auch entgegen der Bedenken einzelner Mitarbeiter“, beschreibt Christine Heidl den 53-jährigen Geschäftsmann. Eine Stärke, die Heidl aus Sicht seiner Frau als Geschäftsführer auszeichnet.

Sie muss es wissen. Vor 15 Jahren gründete er das IT-Unternehmen Soloplan, einen der heute führenden Deutschen Hersteller von Logistiksoftware. Sie waren damals zu viert: Heidls Frau kümmerte sich um die Organisation und die Buchhaltung, zwei Mitarbeiter entwickelten die Software und Heidl selbst übernahm den Vertrieb. Als Ziel setzten sie sich, anwenderfreundliche Speditionsprogramme zu entwickeln, die die einzelnen Arbeitsschritte in einem Logistikunternehmen abbilden sollten. Heidl wusste, was er wollte. Schließlich kannte er das Geschäft seit vielen Jahren. Nach seiner Ausbildung und Arbeit als Speditionskaufmann bei Dachser in Kempten und Berlin, übernahm er die Geschäftsleitungsassistenz bei der Berliner Spedition Kunzendorf. Dort wurde ihm Anfang der 1980er-Jahre unter anderem aufgetragen, sich über eine mögliche Logistiksoftware fürs Unternehmen zu informieren und einen passenden IT-Anbieter auszuwählen. Es war die Zeit, als Disponenten noch Schilder in die Dispowand steckten, um die Routen ihrer Fahrer zu planen. Und als Schreibmaschinen langsam ausgedient hatten und für die ersten Personal Computer auf den Schreibtischen in den Logistikzentralen Platz machten. Damit schnupperte Heidl erstmals die Luft zwischen Speditions- und Informatikwelt. 1986 wechselte der damals 31-Jährige die Seite und in den Vertrieb eines Logistik-Softwarehauses in Nürnberg. Ein paar Jahre später machte er sich mit Soloplan selbstständig.

"Das Thema IT hat mich fasziniert und die Anforderungen einer Spedition hatte ich in den letzten Jahren verinnerlicht. Was liegt näher, als beide Gebiete zu vereinen?", fragte Heidl einmal. Noch immer beeinflusst von der IT-Gründerstimmung Ende der 1980er-Jahre, in der erste Softwareprogramme in Speditioneneingesetzt wurden, wollte Heidl damals Lösungen entwickeln, die mehr als die reine Erfassung von Aufträgen und die Erstellung von Rechnungen leisten konnten. Solche Programme wurden im Arbeitsalltag in Transportunternehmen gebraucht, das wusste er. Zum damaligen Zeitpunkt erhielten Speditionen noch ein paar Disketten und ein Handbuch, um das Programm selbst zu installieren. "Viele Kunden waren damals bereit, ihren Betriebsablauf an die Software anzupassen", erinnert sich Heidl, der sich langfristig zum Ziel gesetzt hatte, dass sich Softwareprogramme an den Betriebsauflauf der Speditionen anpassen sollten. Also genau umgekehrt, als es üblich war.

Aus diesem Grund entwarf er gemeinsam mit seinen beiden Softwareentwicklern die Logistikprogramme Counter und Fuhrparkmanager. Mit seiner neuen Logistiksoftware reiste er dann quer durch Deutschland, um sie auf den verschiedenen IT- und Transportmessen vorzustellen, überzeugte Speditionen von seinen Logistikprogrammen, stellte sukzessive neue Mitarbeiter ein und bezog im Jahr 2003 ein neues Firmengebäude im denkmalgeschützten Stadtteil „Unter der Burghalde“ in Kempten. Zeitgleich schraubte er den jährlichen Umsatz seines Unternehmens bis 2008 auf 5,2 Millionen Euro hoch. Innerhalb von anderthalb Jahrzehnten baute der ehemalige Speditionskaufmann damit ein solides mittelständisches IT-Unternehmen auf – „mit Praktikern und Theoretikern, vom Speditionskaufmann bis zum Informatiker mit Universitätsabschluss“, wie Heidl sagt.

Um neue technische Entwicklungen voranzutreiben, holt er sich auch Hilfe von Außen – beispielsweise von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik- und Dienstleistungswirtschaft. Mit ihr entwarf er vor zwei Jahren eine algorithmengestützte Tourenplanung, um das Soloplan-Logistikprogramm Carlo weiterzuentwickeln. Schließlich geht es in einem Transportunternehmen nicht nur um Umsatzzahlen. Wer sein Geschäft langfristig entwickeln will, muss auch künftige Technologien, die für mehr Effizienz im Arbeitsalltag sorgen können, im Auge behalten. „Der Technologiewandel muss gerade bei einem Softwarehaus kritisch beobachtet und bei vorhandenem Potenzial praxisnah umgesetzt werden. Gestern war Barcode, Internet und Telematik en vogue – und was wird morgen sein?“, fragt sich Heidl. Er selbst tippt auf RFID, allerdings würde damit notwendigerweise auch das Datenaufkommen in der EDV steigen. „Es bleibt abzuwarten, wann die Technologie im breiten Markt auf Resonanz trifft und nicht nur in der Strandkorbbewirtschaftung auf Sylt.“ Praktisch denken und Ideen zielgerichtet entwickeln, mit diesen Eigenschaften ist der Pragmatiker und Gelegenheits-Radler bislang gut gefahren. Und diese Wesenszüge werden wohl auch später seine Unternehmenskultur prägen. Sofern er sie vererbt hat. Denn neben seiner Frau arbeiten auch bereits seine drei Söhne bei Soloplan. Sohn Christian ist nach seinem Informatikstudium mittlerweile als Produktmanager für die Gestaltung der Oberflächen und Programmfunktionen verantwortlich. Der zweite Sohn ist seit seinem Studienabschluss in Liechtenstein im Vertrieb tätig und der dritte arbeitet aktiv in der Serviceabteilung. Sollten die drei einmal – wie es geplant ist – das väterliche Geschäft übernehmen, dann wird sich zumindest eines ändern: Der einstige Geschäftsführer wird seine Entscheidungen künftig nicht mehr allein treffen können.

 

Quelle: Business Geomatics, 27. April 2009, Seite 21

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Bericht downloaden

Business_Geomatics_WH_270409.pdf

Bericht "Zur richtigen Zeit in der richtigen Branche"

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