Wissen was der Kunde will
Die Soloplan GmbH mit Sitz in Kempten ist einer der führenden deutschen Hersteller von Logistiksoftware. Das Unternehmen wurde im Jahre 1991 gegründet und hat sich auf Software für Transportplanung, Auftragsabwicklung, Fuhrparkmanagement und Telematik spezialisiert. Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Softwareunternehmens aus dem Allgäu mit mittlerweile 65 Mitarbeitern ist Wolfgang Heidl.
FM: Herr Heidl, FM DAS LOGISTIK-MAGAZIN feiert in diesem Jahr das 40. Jubiläum. Seit wann wird im Speditions-und Logistikgewerbe Software eingesetzt und wie haben sich die Anforderungen verändert? Heidl: Mit der Einführung der Personal Computer in den 80er Jahren auf dem Massenmarkt war es auch Speditionen möglich, die Schreibmaschine und die damit verbundene aufwändige Handarbeit sukzessive abzulösen. Allerdings beschränkten sich die ersten Speditionsprogramme auf die reine Erfassung von Aufträgen und die Erstellung von Rechnungen. Mit der Steigerung der Hardwareleistung wurden auch die Programme immer komplexer. Anfänglich erhielten die Speditionen ein paar Disketten und ein ordentliches Handbuch. Damit waren viele in der Lage, das Programm selbst zu installieren und das Handbuch erklärte die Funktionalität. Viele Kunden waren damals bereit, ihren Betriebsablauf an die Software anzupassen. Inzwischen sind die Logistikprogramme so komplex, dass das Servicepersonal des Softwarelieferanten die Installationen durchführt und im Anschluss eine mehrtägige Schulung notwendig ist. Die Anforderungen an ein modernes Logistikprogramm bestehen darin, dass jeder erdenkliche Arbeitsschritt abgebildet werden sollte. Heute verschiebt man Touren in Ressourcenplänen mit der Mouse, noch vor 10 Jahren steckte man Schilder in einer Dispowand.
FM: Als Speditionskaufmann mit anschließendem DAV-Studium gehörten Sie der Führungscrew eines namhaften Speditionsunternehmens an. Was hat Sie dazu bewogen, auf die ‚andere Seite‘ zu wechseln und sich mit dem Datentransport zu befassen? Heidl: Es war die Gründerstimmung im Jahre 1985, in der erste Softwareprogramme in Speditionen eingesetzt wurden. Damals noch auf MS-DOS basierend und alles andere als anwenderfreundlich. Das Thema IT hat mich fasziniert und die Anforderungen einer Spedition hatte ich in den letzten Jahren verinnerlicht. Was liegt näher, als beide Gebiete zu vereinen. Das Ziel: Eine Speditionssoftware – gebaut auf Erfahrung.
FM: Offensichtlich ist Ihre genaue Kenntnis der Kundenbedürfnisse eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg von Soloplan. Doch Ihr Unternehmen besteht nicht nur aus Wolfgang Heidl. Wie nah haben Ihre Mitarbeiter das Ohr am Markt und wie erreichen Sie Ihre Kunden? Heidl: Kundenbedürfnisse erfüllen und praxisgerechte Softwarelösungen – eine altbekannte Forderung. Diese im Tagesgeschäft umzusetzen ist nicht immer ganz einfach. Deshalb lege ich persönlich viel Wert auf die Kompetenz unserer Mitarbeiter – fachlich und sozial. Durch die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus haben wir in allen Unternehmensbereichen sowohl Praktiker als auch Theoretiker, vom Speditionskaufmann bis zum Informatiker mit Universitätsabschluss. Durch unsere Consulting-und Schulungsleistungen beim Kunden vor Ort nehmen wir regelmäßig Anregungen und Anforderungen auf, die wir dann im Rahmen unserer Releaseplanungen umsetzen.
FM: Die Konzentrationsprozesse halten auch im Transportgewerbe an. Wie haben sich die Strukturen im Logistikgewerbe im Laufe der letzten 15 Jahre verändert? Heidl: Ich denke, die einfache Transportleistung einer Komplettladung von A nach B gehört definitiv der Vergangenheit an. Gefragt sind heute Spezialisten, die sich auf spezielle Produkte, Dienstleistungen, Relationen oder Transportarten konzentrieren, kurzum, die Mehrleistung anbieten. Um diese Anforderungen der Wirtschaft zu erfüllen, sind auch Kooperationen entstanden, die diese Leistungen im Verbund anbieten. Unabhängig davon ist das Gewerbe auch heute noch sehr stark mittelstandsorientiert und bietet gerade durch diesen speziellen Service einen echten Mehrwert.
FM: Auch im Handel und in der Industrie wird Logistik betrieben. Ist Ihre Software nur für den Dienstleistungsbereich geeignet, oder zählen Sie auch Verlader zu Ihren Kunden? Heidl: Bereits vor der offiziellen Markteinführung unser Software Carlo haben wir die Anbindung zum Warenwirtschaftssystem von SAP zertifizieren lassen. Dass in der Industrie großer Nachholbedarf bei der Abbildung von Transportprozessen bestand, haben wir bereits damals erkannt. Produktionsplanungen, Personalwesen, innerbetriebliches Qualitätswesen und viele andere Themen sind in Warenwirtschaftssystemen perfekt abgebildet. Sobald ein Fahrzeug disponiert, der Dienstleister eine Gutschrift auf Basis komplexer Frachtvereinbarungen, oder die Fahrzeugflotte mit Telematik gesteuert werden soll, ist in der Regel ein Transportmanagementsystem unumgänglich. Wir erwirtschaften mit dieser Zielgruppe einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes.
FM: Carlo zeichnet sich durch eine große Funktions-und Anwendungsbreite aus. Was leistet diese Logistiksoftware? Heidl: Kurz gesagt: Mit unserer Software kann der Spediteur alle Abläufe eines Logistikunternehmens abbilden. Von der Auftragsverwaltung über Transportplanung bis hin zu Rechnungen und Statistiken. Natürlich ist auch die Datenanbindung an verschiedenste Warenwirtschaftssystem heute eine Standardfunktionalität unserer Software.
FM: Kaum ein Unternehmen gleicht dem anderen und jeder Kunde hat unterschiedliche Bedürfnisse. Können sich Ihre Auftraggeber aus dem Carlo-Angebot einzelne Module herauspicken, die ihren spezifischen Anforderungen entsprechen? Heidl: Bei Soloplan gehen wir einen anderen Weg. Wir bieten unseren Kunden ein rollenbasiertes Benutzerkonzept. Der Kunde bekommt vom ersten Tag an alle Funktionen unserer Logistiksoftware. Jede Abteilung erhält dabei eine auf Ihre individuellen Bedürfnisse angepasste Programmoberfläche. Denn natürlich braucht die Rechnungsabteilung keine Funktionalitäten der Disposition. Der Vorteil für den Kunden liegt auf der Hand: Mit dem Kauf unserer Software erhält der Kunde alle Funktionalitäten der Logistiksoftware und muss bei wachstumsbedingten Veränderungen innerhalb seines Unternehmens lediglich weitere Arbeitsplätze erwerben. So können wir auf die Unternehmensgröße optimal abgestimmte, transparente Preise anbieten. Bei anderen Anbietern ist das anders. Eine anfangs preiswerte Software wird durch den Nachkauf von Modulen schnell zu einem Fass ohne Boden.
FM: Die Möglichkeiten moderner Softwaresysteme sind erstaunlich vielfältig. Ist der Auf- wand für die Softwareentwicklung heute nicht erheblich größer als vor 15 Jahren? Heidl: Früher war es üblich, dass sich das Unternehmen der Software anpasste. Heute ist es andersrum. Die Software muss die jeweiligen Unternehmensabläufen optimal darstellen. Deshalb reicht es heute nicht mehr, wenn unsere Entwickler nur perfekt eine Programmiersprache beherrschen, vielmehr müssen sie ein umfassendes Verständnis der logistischen Abläufe haben. Ebenso wichtig sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse, da die Kosten-und Leistungsrechnung eines der fundamentalen Aufgaben einer Logistiksoftware ist. Denken Sie nur an Basel II. Heutzutage ist eine Kreditaufnahme auf dieser Basis ohne aussage- kräftige Kostenrechnung nicht mehr möglich.
FM: Wie kann eine Logistiksoftware zur Kostensenkung in Logistikunternehmen beitragen? Heidl: Die Nutzung einer Logistiksoftware eröffnet viele Vorteile, die sich direkt oder indirekt in Kostensenkungen ausdrücken lassen. Ein Mitarbeiter kann durch EDV-Unterstützung in der gleichen Arbeitszeit mehr produktiv leisten. Aktuelle Informationen und Servicequalitäten lassen sich nicht mit Euros oder Cents bewerten. Aber diese Faktoren tragen entscheidend zum Erscheinungsbild eines erfolgreichen Unternehmens bei.
FM: Wohin entwickelt sich die Logistik? Wo sehen Sie zukünftige Schwerpunkte bei der Entwicklung von Carlo? Heidl: Ein vorherrschendes Thema wird sicher die globale Vernetzung aller am Logistikprozess beteiligten Unternehmen sein. Dies betrifft nicht nur die Anbindung von Produktions-und Handelsunternehmen an den Logistikdienstleister, sondern auch die vorauseilende Information, wann, wo, welche Ware eintreffen wird. Dies bedeutet, dass die Telematik weiter an Bedeutung gewinnt. Dieser Anforderung sind wir mit der Entwicklung unserer eigenen Telematiklösung nachgekommen. Eine wesentliche Herausforderung in den nächsten Jahren wird sein, dass wir nicht nur Funktionen umsetzen, sondern dies so tun, dass die Anwender gerne und einfach mit unserer Software arbeiten. Dazu trägt sicher eine selbsterklärende Oberfläche in moderner Optik bei. Damit dies auch in Zukunft weiter optimal umgesetzt wird, arbeitet schon jetzt die zweite Generation im Hause Soloplan mit. Nach Beendigung seines Informatikstudiums und mehrjähriger Tätigkeit in verschiedenen Bereichen bei Soloplan hat mein Sohn Christian die Position des Produktmanagers übernommen und zeichnet für die Gestaltung der Oberfläche und die Programmfunktionalitäten verantwortlich.
FM: Soloplan gehört mit inzwischen 65 Mitarbeitern zu den größeren Anbietern von Logistiksoftware. Welche besondere Firmenphilosophie verfolgen Sie mit Ihrem Unternehmen? Heidl: Mit unserer Logistiksoftware haben wir die Philosophie unseren Kunden eine qualitativ hochwertige und innovative Softwarelösung zu bieten, die die betrieblichen Prozesse abbildet und zu einer Kostenoptimierung beiträgt. Dies erreichen wir im stetigen Dialog mit unseren Kunden und Mitarbeitern.
Die Fragen stellte Hans-Martin Piazza
Quelle: FM Logistik Magazin, 11/2008




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