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TMS Unnötige Wege und Leerfahrten sind für Logistikerein Ärgernis – vor allem, wenn die Verpackung um ein Vielfaches schwerer ist als das Produkt. Linde Gas setzt daher auf ein neues Transport Management System.

Im Jahr 1902 erfand Carl von Linde ein Verfahren, Luft in ihre Bestandteile zuzerlegen – und schuf damit den Grundstein des Geschäfts von Linde Gas. Die Produkte des Münchner Unternehmens sind heute dabei, wenn geschweißt, gefroren oder angetrieben wird, wenn erwärmt, industriell gereinigt, beatmet oder getestet werden soll. Insgesamt verfügen die Bayern über 24 Luftzerleger an 15 Standorten in Deutschland. Hinzu kommen vier Acetylenwerke und 30 Gasefüllwerke sowie zehn Vertriebszentren, die die vollständige Produktpalette bereithalten. Darüber hinaus besitzt Linde Gas zehn große Wasserstoff und Synthesegasanlagen und zwei Anlagen zur Erzeugung von Kohlenmonoxid. Im Werk Ingolstadt wird in Deutschlands einziger Anlage für Wasserstoff-Verflüssigung Flüssig-Wasserstoff erzeugt. Um die Produkte von den Produktionsstandorten und Vertriebsstellen an die rund 180.000 Kunden in Deutschland zu bringen, ist eine ausgefeilte Logistik notwendig. Obwohl Linde Gase über alle Möglichkeiten der Gasdistribution verfügt – inklusive einer großflächigen Vernetzung ganzer Gebiete mit Pipelines – erfolgt ein Teil der Versorgung auch durch die Verladung einzelner Gasflaschen. Diese Transporte muss die Behälterdistributionder Linde AG auf die Beine stellen. Wie eine hausinterne Spedition ohne eigenen Fuhrpark organisiert dieser Unternehmensbereich gut 600.000 Transportaufträge jährlich. Dies entspricht einem Transportvolumen von etwa 19 Mio. transportierten Flaschen pro Jahr. Und die Gasdistribution hat dabei ihre Eigenheiten: "Eine Besonderheit unseres Logistik-Geschäfts ist, dass wir ausschließlich Gefahrguttransporte durchführen und dass bei uns in der Regel die Verpackung um ein Vielfaches schwerer ist als das eigentliche Ladungsgut. Zudem müssen wir jede verkaufte Flasche wegen der Leergutrückführung mindestens zwei Mal transportieren", bringt es Sabato Granese, Leiter des TMS-Projekts bei Linde Gas, auf den Punkt. Diese Herausforderungen verlangen einbesonders ausgeklügeltes Transportmanagement. Beispielsweise müssen Leerfahrten vermieden werden. Fahrstrecke und Zeit sind im Rahmen des Möglichen zu reduzieren. Zudem sind differenzierte Transporttarife im Einsatz, um eine effiziente Kostenstruktur zu gewährleisten.

Keine Distribution ohne IT

Ein solcher Aufwand lässt sich ohne moderne IT nicht bewältigen. Denn auch wenn die Behälterdistribution über keine eigenen Fahrzeuge verfügt, so disponiert sie an den jeweiligen Standorten die Aufträge selbst. Da das Linde-Altsystem die spezifischen Anforderungen einer modernen Gas-Logistik nicht hinreichend erfüllte, entschieden sich die Verantwortlichen, im Rahmen der unternehmensweiten SAP-Einführung auch ein neues Transport Management System (TMS) zuimplementieren. Die Vorarbeiten zur SAP-Einführung begannen im Jahre 2003. Dies beinhaltete auch die Lieferantenauswahl für dasTMS. Nach einem gründlichen Vergleich mehrerer Systeme fiel die Wahl schließlichauf das Produkt "CarLo" der Soloplan GmbH aus Kempten. "Mit CarLo lassen sich die Funktionen, die eine moderne Distribution benötigt, problemlos in einem Gesamtsystem darstellen, wie beispielsweise Transportplanung, Transportvergütung und Controlling", erklärt Granese. Zudem harmoniere SAP und CarLo sehr gut miteinander, was einen direkten Datenaustausch ermögliche.

Von der Planung bis zum Controlling

Seit Juli 2005 ist das neue TMS nun im Einsatz und unterstützt effektiv die Behälterdistribution. So werden beispielsweise bei der Transportplanung ein Teil der Aufträge automatisch disponiert. Auch die Transparenz verbesserte sich: So kann Linde sogar die einzelnen Lieferpositionen, die zwischen Abfüllwerk und Einzelkunde gefahren werden, lückenlos analysieren, auswerten und beurteilen. Um eineeffiziente Kostenstruktur zu gewährleisten, sind differenzierte Transporttarife im Einsatz, die durch das TMS im Rahmeneines automatischen Gutschriftverfahrens abgebildet werden. Besonders wichtig ist zudem die vollautomatische Abrechnung der Leistungen der Speditionsunternehmen, die in Linde-Farben bundesweit im Einsatz sind. Die Abrechnung erfolgt nach einem Gutschriftprinzip. Das heißt, das System erfasstalle Transportvorgänge und erstellt gleichzeitig die buchhalterischen Grunddaten. Anschließend werden die Finanzbuchhaltungsbelege an SAP übergeben. Die Speditionen profitieren so von einer automatisierten Vergütung, ohne in Zukunft Rechnungen schreiben zu müssen. Die Dienstleistungspartner erhalten ihr Geld schneller und auf beiden Seiten erhöht sich die Transparenz. Reklamationen können schneller und gezielter bearbeitet werden und der administrative Aufwand wird auf ein Minimum begrenzt. Auch die Kunden profitieren von der neuen Software. Schließlich erhöht sich die Lieferpräzision und die Zeitfenster, indenen etwaige Fragen oder Reklamationen bearbeitet werden, verkürzen sich deutlich.

Rollout auch in weiteren Ländern

Zufrieden zeigt sich auch Sabato Granese: "CarLo ist nun live und die erste Entwicklung ist durchaus erfreulich. Wie zu erwarten, haben wir noch ein paar kleine Anfangsprobleme, die wir aber bewältigen werden. Insgesamt ist das Projekt ein großer Erfolg, zu dem alle involvierten Mitarbeiter maßgeblich beigetragen haben." Daher soll nach dem Rollout in Deutschland CarLo zusammen mit SAP auch in den europäischen Landesgesellschaftene eingeführt werden und dann die europäische Logistikplattform im Linde-Flaschengeschäft darstellen.

 

in: Logistik heute 3/2006

Bericht Linde AG downloaden

Bericht_Linde.pdf

Linde Gas: Leichter als Luft

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